Armenkolonien

Die sogenannten „Kolonien“ spielen in der Geschichte der Niederlande und im Besonderen der Provinz Drenthe eine wichtige Rolle. Nach mehreren Kriegen herrscht zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Niederlanden, insbesondere in den Städten, große Armut. Die Bedürftigen werden ihrem Schicksal überlassen. Diese Zustände sind Johannes van den Bosch ein Dorn im Auge. Im Jahr 1818 gründet er deshalb die Wohltätigkeitsgesellschaft „Maatschappij van Weldadigheid“. Arme Familien, Bettler und Obdachlose erhalten die Möglichkeit, in einer „Kolonie van Weldadigheid“ (Kolonie der Wohltätigkeit) zu arbeiten. Sie bekommen ein eigenes Haus und ein Stück Land zum Bestellen. Im Tausch dafür machen sie unfruchtbares Land für die landwirtschaftliche Nutzung urbar. Eine harte Existenz, in der den Kolonisten durch Arbeit und Bildung Disziplin beigebracht wird, damit sie im Laufe der Zeit für sich selbst sorgen können. 

Probe- und Zwangskolonien
Insgesamt gründet die „Maatschappij van Weldadigheid“ sieben Kolonien. Zwei davon sind für Arme bestimmt, die sich freiwillig für das Leben in der Kolonie entscheiden. In den übrigen fünf werden Bettler und Landstreicher zwangseingewiesen. Die Zwangskolonien sind große und dicht bevölkerte Anstalten, in denen man Tag und Nacht unter Bewachung steht. Die Bewohner sind im Grunde Gefangene.

Armenkolonie Veenhuizen

Wer nach Veenhuizen kommt, sieht sofort, dass hier etwas Besonderes geschehen sein muss. Hier sieht es anders aus als an jedem anderen Ort in Drenthe und dem Rest der Niederlande. Es gibt stattliche Alleen, wunderhübsche Koloniehäuser und sogar ein Klein-Soestdijk, das der königlichen Residenz Soestdijk in Baarn (Provinz Utrecht) nachempfunden ist. Wer also Lust auf einen Abstecher in einen Ort voller niederländischer Sehenswürdigkeiten hat, der ist hier richtig. Und kann noch weitaus mehr entdecken: So tragen viele Häuser hier Inschriften wie Arbeid is Zegen (Arbeit ist Segen), Werken is Leven (Arbeit ist Leben) oder Werk en Bid (Arbeite und bete) – Sprüche, mit denen Landstreicher und Bettler auf den rechten Weg gebracht werden sollten. Veenhuizen hat sage und schreibe 124 Baudenkmäler. Dieser einzigartige Ort ist ein „Must-see“ für alle, die nach Drenthe kommen – und eine Zeitreise in die Geschichte der Niederlande! 

Tipps in Veenhuizen

Gefängnismuseum Veenhuizen

Ein interaktives Museum, das sowohl die Geschichte von Veenhuizen als auch die Bestrafung von Verbrechern in den Niederlanden im Laufe der Jahre veranschaulicht. Es ist in einer ehemaligen Zwangsanstalt untergebracht.

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Bierbrauerei Maallust

In dem Industriekomplex Maallust wurden früher landwirtschaftliche Produkte verarbeitet, heute ist in der einstigen Getreidemahlanlage eine Bierbrauerei angesiedelt.

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Probekolonie Frederiksoord

In Frederiksoord wurde der Grundstein für den heutigen niederländischen Sozialstaat gelegt. Hier sind die ersten Kolonistenhäuschen entstanden. Das gesellschaftliche Experiment von Johannes van den Bosch verlief nicht so erfolgreich, wie er gehofft hatte. Den Bewohnern der Kolonien wurde ein Stempel aufgedrückt, den sie nicht mehr loswurden. Die Armenkolonien bildeten jedoch die Grundlage für verschiedene Gesetze und Einrichtungen, die das Leben der Armen immens verbessert haben.

Tipps in Frederiksoord

Museum Koloniehof

In diesem Museum erfahren Sie alles über die reiche und außergewöhnliche Geschichte der Drenther Kolonien.

 

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In einem Koloniehäuschen übernachten

Sie schaffen es nicht, alles an einem Tag zu besichtigen? Dann bleiben Sie doch über Nacht. Stilecht können Sie in einem Koloniehaus übernachten.

 

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